DER ORBIT IN BUGGINGEN: "BERGE VERSETZEN"

mit anschlaege.de

Wozu Gott? Woran Glauben? Was sind Motoren? In den Achtzigern war sie noch umkämpft, in den Neunzigern irgendwie egal, und jetzt ist sie wieder da: die Religion. Mit Sicherheit das Comeback der letzten Jahre. In Deutschland ist ein Buch über das Pilgern Bestseller. Das Gefühl ökonomischer und terroristischer Bedrohung scheint nicht nur ein soziales, sondern auch ein neues transzendentes Sicherheitsbegehren hervorzubringen. Religion wird wieder als Stabilisator und Gemeinschaftsspender herangezogen. Ist Gott also eine notwendige Erfindung für das Funktionieren der sozialen Marktwirtschaft? Oder eben doch nur Opium für das Volk?

Mit „Berge versetzen“ nehmen wir die Sinnsuche unserer Zeit ernst. Wir pilgern nach Buggingen und fragen: Woraus schöpfen die Bugginger Sinn? Was sind ihre Antriebsmotoren und Energiequellen? Wer oder was versetzt hier Berge? Nach 2 Wochen Recherche vor Ort waren wir dann soweit, die erste Pilgerreise von Freiburg nach Buggingen zu starten. Zusammen mit der Bugginger Bevölkerung erstellten wir einen Parcour von 7 Stationen bzw. Sinn-Installationen. Die erste Sinnreise dauerte 7 Stunden!
 


Sinn-Busreisen


Freitag 7. März, der erste Bus mit Pilgern macht sich auf den Weg nach Buggingen auf eine Pilgerfahrt der anderen Art. Im Bus stellt sich die Reiseleiterin Lisa Hoppe vor, erklärt das Ziel der Reise, den Monte Kalino in Buggingen und verteilt religiöse Erbauungsliteratur - von Thomas von Aquin bis zum Koran ist alles mögliche dabei. Dann die erste Station, die evangelische Kirche in Betberg. Eine Art heiliger Ort, an dem die Menschen schon seit ca. 3000 Jahren zu Gott beten und auf Gott warten. Nach einem Meditationschoral auf der Orgel geht es weiter mit dem Bus nach Buggingen. Angeführt von Lisa Hoppe und begleitet von einer Traube neugieriger Bugginger begeben sich die Freiburger „Pilger“ auf einen Parcour Bugginger Sinninstallationen. Zur Begrüssung gibt es eine Weinprobe in der katholischen Kirche. Es folgen Mithat und Ercan, die per Video in der Dorfkneipe „Zur Linde“ von ihren Pilgerfahrten erzählen. Die Tresenbesetzung trinkt gelassen weiter. Einige Fussmeter steht Frau Schwenk Grozinger mit 3 Ziegen vor dem Rathaus und erzählt über artgerechte Tierhaltung und ihren Respekt vor der Schöpfung Gottes. Nachdem die Pilger beinahe von ein paar Seifenkisten überfahren wurden, einen einsamen Fussballer mit Totenmaske verzweifelt im Flutlicht joggen sahen, betreten sie den nachgebauten Stollen des Bergmannsverein. Hier gibt es viele Geschichten ehemaliger Bergleute, eine evangelische Predigt vom Audio Band und einen Schnaps. Mit dem Lied „Glück auf...der Steiger kommt“ geht es mit dem Bus weiter zum rot erleuchteten Monte Kalino. Die Pilger hüpfen noch kurz in die Moschee am Fusse der Kali Abraumhalde, sind Teil des Freitagsgebetes und mach sich dann auf zur letzten Station dieser Pilgerfahrt – dem Orbit. Hier erwartet sie ein Battle der Religionen. Anwesend sind der Imam, der evangelische Pfarrer und ein Bergführer. Jeder bekommt 3 Fragen gestellt und hat 5 Minuten Redezeit. Anschliessend kürt das Publikum den überzeugendsten Redner. Am ersten Abend gewinnt der Imam. Seit 4 Stunden sind die Pilger jetzt schon unterwegs. Einige klettern noch angeseilt mit dem Bergführer auf den Monte Kalino, andere bleiben bei Brot und Wein im Orbit. Gegen 24:00 kommen die Pilger schliesslich wieder in Freiburg an, erschöpft aber glücklich mit dem Pilgerzeichen „Berge versetzen“ an der Brust.

Bei den folgenden Pilgerreisen schlossen sich immer mehr Bugginger an, so dass wir bei der letzten Veranstaltung mit ca. 70 Leuten durch den Ort pilgerten. Der Imam hat noch ein weiteres Mal den Religions- Battle gewonnen, einmal der evangelische Pfarrer Muhm und einmal Christian Lage von anschlaege.de. Der Monte Kalino wurde in den 3 Wochen zum erleuchteten Wahrzeichen von Buggingen und ca. 1000 Leute haben uns am Orbit besucht. Es gab eine Eröffnungsfeier mit Bergmannskapelle und Bergmannschor. Eine vielbesuchte Dorfdisko im Orbit, bei der ca. 200 Jugendliche bis nachts um 2:00 im Orbit und auf dem erleuchteten Berg tanzten. Ein Klettern für Kinder mit dem Bergführer Trefzer. Ein Kaffee Kränzchen mit den Landfrauen im Orbit und viele Begegnungen und Gespräche im Orbit.

Detaillierte Beschreibungen und die Erlebnisse des Londoner Pilgers Axel Hesse können sie HIER NACHLESEN.